Kategorie: Allgemein

Echt statt authentisch (1)

05. September 2010 von kerstin

»Authentisch« ist momentan ein sehr beliebtes Wort und eine der meist gehörten Anforderungen im Bereich von Außendarstellung und Kommunikation.

So wie Fernsehshows möglichst »authentisches Leben« widerspiegeln sollen, so muss jeder Auftretende sein »authentisches Ich« präsentieren. Produkte haben »authentisch« zu sein, Unternehmen und Unternehmer natürlich sowieso. Künstler sollen Konsumgesellschafts- und Kommerzablehnung bitte »authentisch« transportieren.

Sicher war absehbar, dass irgendwann eine Ermüdung gegenüber den omnipräsenten Schöne Welt-Bildern der herkömmlichen Werbekataloge eintreten wird. Interessant ist nur, dass die heute bewusst als »authentisch« modellierten Welt- und Menschenbilder wohl kaum dem entsprechen, was man mit dem sicher viel schlichteren Wort echt bezeichnen würde.

Showkandidaten erzählen rührende Familiengeschichten, die zuvor von Experten »frisiert« wurden, bekannte Unternehmen präsentieren sich nachhaltig und freundschaftlich, um die eigenen Mitarbeiter in ein knallhartes Konzept zu zwängen, Kulturschaffende sind kommerzkritisch, um hinter den Kulissen peinlichst an ihrer Rolle und ihren geldwerten Vorteilen zu arbeiten. So verbogen das aussehen mag, es ist Bestandeil unserer Welt.

Schließlich verkaufen alle irgendetwas und jeder weiß: wer verkaufen will, muss sich, seine Produkte und Leistungen überzeugend kommunizieren. Wer sich also über stattfindende Kommunikation laut beschwert, sollten sich fragen, ob nicht auch er längst und an so mancher Stelle das Spiel mitmacht.

Ich finde, wenn man schon mit dabei ist, sollte man auch gut mitgestalten: Es gibt nämlich keine Pflicht, die gleichförmigen Schöne Welt-Bilder einerseits oder die absolut modellierte »Authentizität« andererseits mitzumachen, nur weil die anderen es tun. Der eigene, persönliche Weg ist sowieso immer der beste, weil er original ist statt Authentisches künstlich erzeugen zu müssen.

Wie aber den persönlichen Weg finden und entsprechend kommunizieren? Mehr dazu gibt es im nächsten Artikel.

Achtung, Kommunikation!

27. August 2010 von kerstin

Ich weiß nicht, wie oft ich schon den Satz gehört habe: »Um unsere Kommunikation nach außen kümmert sich unsere Marketingabteilung.« Auch »Für die Kommunikation ist bei uns Herr A. oder Frau B. zuständig,« ist mir inzwischen sehr bekannt. Offen gesagt, die Aussagen sind vielleicht noch zu verstehen, wenn sie sich auf die konkrete Produktion einer Broschüre oder einer Homepage beziehen.

Insgesamt gesehen gilt jedoch, was Paul Watzlawick schon vor Jahren so treffend gesagt hat: du kannst nicht nicht kommunizieren. Kommunikation beschränkt sich nicht auf eine Abteilung, nicht auf Broschüren oder eine Homepage. Sie findet permanent statt, beispielsweise durch

>     das Aussehen und die Funktion von Produkten eines Unternehmens.

>     die Art und Weise der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und Zulieferern.

>     die Weise, in der E-Mails oder telefonische Anfragen beantwortet werden.

>     die Art, in der Kunden persönlich empfangen werden.

>     die Einbindung in das kulturelle Umfeld etc., etc. etc.

Kommunikation ist so allgegenwärtig – selbst nichts zu sagen ist eine Aussage. Was lässt sich daraus schließen? Man könnte darauf kommen, dass Kommunikation eine unglaublich anstrengende, Nerven kostende Angelegenheit ist, der man hilflos gegenüber steht.

Oder besser: man sieht es positiv. Dann gibt das weite Feld der Kommunikation jedem unzählige Möglichkeiten, das, was er mitteilen und bekannt machen möchte, nach außen zu tragen. Jeder Einzelne, jedes Unternehmen hat viele Optionen, die eigene Kommunikation zu verbessern – von naheliegend und einfach bis aufwändig und exklusiv. Kreativität, stimmige Kombination und Flow erschöpfen sich dabei eben nicht in der Fertigung einer Broschüre oder eines Messestandes, sie sind wichtig für die Summe aller Teile, die für ein einzigartiges und überzeugendes Gesamtbild verantwortlich sind.

Am Ende ist es wie so oft: bleibt man hilflos oder nutzt seine Möglichkeiten? Alles eine Frage von Blickwinkel, Aktivität – und Verstand.

Lagerfeuer heute

18. August 2010 von kerstin

Letztes Wochenende waren wir in Weimar und haben in kurzer Zeit viele nette Leute getroffen. Manuel Odendahl von Ruin&Wesen, Susanne Junker, Initiatorin von stageBack, den Soundspezialisten Martin Hirsch, den Fotografen und Künstler Thomas Rusch sowie den Künstler und Kurator Konstantin Bayer, der vor vier Jahren die Galerie Eigenheim ins Leben gerufen hat.

Trotz knapper Zeit zeichneten wir zwei Inspiration Lounge Interviews auf. Und an gleich zwei Abenden saßen wir zusammen, haben uns ausgetauscht und dabei interessante Stunden verbracht. »Es ist wirklich spannend, wenn man so zusammentrifft«, stellte ich fest. Susanne antwortete:»Ja, stimmt. Es setzt aber auch voraus, dass jeder bereit ist, dafür etwas zu tun.« In ihrem Fall hieß das, aus Shanghai anreisend, ihre Europareise um einen stop-over in Weimar zu erweitern und jede Menge Neuigkeiten im Gepäck zu haben.

Mir wurde wieder einmal sehr bewusst, wie wichtig ein nettes, offenes Umfeld und regelmäßiger Austausch sind. »Kommuniktion ist eine der grundlegendsten Sachen, die wir haben«, äußerte dann auch Thomas Rusch und rannte natürlich offene Türen bei uns ein. Schließlich sind wir bereits seit neun Jahren le tapir, Gesellschaft für Kultur und Kommunikation.

Unser Tipp: Trefft Euch mit Freunden, Nachbarn und Bekannten, holt neue Leute mit dazu, initiiert, tauscht Wissen und Erfahrung – habt eine gute Zeit. Wir alle haben viel zu tun, wir alle haben jede Menge Arbeit und Projekte zu erledigen, wir alle sind auch mal erschöpft. Gerade darum ist Balance, sind Gemeinschaft und Austausch so wichtig – sie halten lebendig und den Kopf frisch.

Neue Ideen, neue Themen, vieles Hilfreiches kennen lernen, eigene Blickwinkel beitragen – was wären wir ohne Gesellschaft? Und wie weit kämen wir, wenn wir das vergäßen? Wir, die Nachfahren der Lagerfeuer- und Höhlenmenschen.

Längst vorbei die Zeiten, in denen man glaubte, Informationen, Technik und Markt allein seien die Lösung, jeder für sich käme glänzend zurecht. Wir stehen vor gewaltigen Fragen und Aufgaben. Direkter, persönlicher Austausch, Wissen und Erfahrung teilen, mehr Miteinander und Zusammenarbeit, jeder an seinem besonderen Platz – das ist längst noch nicht die Lösung, doch ein ungemein wichtiger Schritt in die Richtung, neue Ideen zu finden und ihnen auch Realisierungen folgen zu lassen. Es geht um weit mehr als einen Job, um mehr als ein Projekt. Es geht uns alle an.

Daher ein Hoch auf die heutigen Lagerfeuer und alle, die sich dort mit uns treffen.

Heute sprechen wir mal über Preise

10. August 2010 von kerstin

Vor mehr als neun Jahren haben wir uns den Namen le tapir gegeben. Der Name hat sich inzwischen so mit uns verbunden, dass Freunde und Bekannte uns gerne mit den Worten »ah, die Tapire sind da« begrüßen und wir unsere Inspiration Lounge-Mails stets »mit besten Grüßen von den Tapiren« verschicken.

Dank Ceren Meissner und Martin Haußmann fand nun der oben abgebildete Tapir seinen langen Weg von Burkina Faso über Avignon bis in unser Kölner Domizil. Und weil Berlin seine goldenen Bären hat und Cannes die goldenen Palmen, kam uns die Idee, das Geschenk zum Anlass zu nehmen, künftig im Rahmen der Inspiration Lounge ebenfalls einen jährlichen Preis zu verleihen: den goldenen Tapir.

Mehr dazu demnächst.

(Mit)teilen

06. August 2010 von kerstin

Wir sprechen immer wieder davon, wie sinnvoll es ist, nicht nur über die eigenen Produkte und Leistungen zu sprechen, sondern auch Ausschnitte des eigenen Know-hows, der eigenen Vorgehensweisen und Blickwinkel nach außen zu geben. Und immer wieder schauen uns Menschen erstaunt an und fragen, warum sie das tun sollen. Schließlich könnten so ja andere von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung profitieren.

Deshalb an dieser Stelle: die Hemmschwellen jetzt mal vergessen und einfach zu Leuten schauen, die es vormachen.

Jeder kennt heute beispielsweise eine ganze Reihe von Köchen und Küchenchefs. Seit Jahren erzählen sie in so ziemlich allen Medien über ihre Rezepte, ihre besonderen Tricks und Kniffe. Niemand käme auf die Idee zu denken, sie hätten sich durch die Weitergabe von Ausschnitten ihres Know-hows geschadet. Ihre Restaurants und Kochkurse sind vielmehr voll, ihre Bücher verkaufen sich bestens. Was wäre passiert, wenn sie sich von Anfang an nicht getraut hätten, anderen ein paar ihrer Ideen und Tipps mitzuteilen?

Ein anderes Beispiel: einige Anwälte betätigen sich rege, um auf Portalen für spezielle Rechtsgebiete Teile ihres Wissens oder eigene Blickwinkel weiterzugeben. Würde Sie diese zusätzliche Arbeit tun, wenn sie völlig umsonst wäre und immer nur andere davon profitieren? Wenige vielleicht. Doch das Gros gibt Know-how weiter, weil »sich einen Namen« machen genau so funktioniert und außerdem sehr viel kostengünstiger sein kann als Anzeigen, die dem Interessenten noch lange keine Qualität oder Engagement zeigen.

Noch dazu: wir sprechen von Ausschnitten, von kleinen Teilen aus Wissen und Erfahrung. Keiner verlangt, komplette Geschäftskonzepte offen zu legen oder ganze Entwicklungen ohne Bezahlung herauszugeben. Mit(teilen) ist intelligent, nicht naiv.

Also, beim nächsten Mal nicht sofort wieder die Handbremse ziehen, wenn es gilt, anderen etwas aus dem eigenen Know-how-Fundus mitzugeben. Die Wissensgesellschaft lebt vom Austausch, nicht nur von Wissen in unseren Köpfen. Locker bleiben und daran denken, dass schon kleine Tipps große Wirkung zeigen können – und zwar für beide Seiten.

Kontinuität

28. Juli 2010 von kerstin

Gibt es etwas, das heute dermaßen in den Köpfen vieler Menschen festsitzt, wie die Hoffnung auf den schnellen Erfolg? Der Gedanke, die eine gute Idee müsse einen über Nacht reich machen, ist überall auffindbar.

Es gibt Ausprägungen derselben Denkweise, der wir während unserer Tätigkeit immer wieder begegnen: die Hoffnung nicht weniger Personen, mit allein einer cleveren Kampagne so am Markt einzuschlagen, dass dauerhafter Erfolg resultiert. Die Einstellung, mit der eigenen Homepage und dem Logo ausreichend getan zu haben, um von allen gefunden zu werden. Der Glaube, es genüge, einfach den Preis immer weiter nach unten zu schrauben, um heute und in Zukunft gute Umsätze zu machen.

Ungemütlich wird dann die Erkenntnis, dass die eine Kampagne doch nur vorübergehend Aufmerksamkeit bringt – bestenfalls. Oder die Ernüchterung, wenn kommunizierte Sonderangebote auf Dauer nur zu schmaleren Umsätzen führen, während die Kunden sich nach und nach dorthin wenden, wo es noch billiger ist.

Erfolgreiche Kommunikation, wie überhaupt erfolgreiche Projekte und Unternehmungen, ganz zu schweigen von guten Beziehungen zum eigenen Umfeld, beruhen wesentlich auf Kontinuität. Das Preisen des einen Coups, die Ansicht, Sonderangebote seien einfach die beste Lösung – sie entspringen einem Quartalsdenken, das oft genug in genauem Gegensatz zu intelligenter Kommunikation und Geschäftsführung steht.

Zugegeben, es scheint gerade nicht zwingend hip, mehr auf Kontinuität, Konsequenz und Schritt für Schritt aufgebaute Kommunikation zu setzen. Es ist für manche seltsam, wenn man ihnen sagt, sie sollen nicht auf den super Claim setzen, den sie so dringend haben möchten, um lieber für Interessenten und Kunden etwas aus dem eigenen Fundus von Know-how und Erfahrung nach außen zu tragen. Informationen, die anderen immer wieder etwas vermitteln und mitgeben, um im Gegenzug etwas Kontinuierliches einzubringen: Aufmerksamkeit, Vertrauen und Nachfrage.

Mag sein, dass das »Dranbleiben« an einer Aufgabe oder einem Projekt heute, im »Zeitalter unbegrenzter Flexibilität und Möglichkeiten« nicht ganz populär erscheinen mag.

Aus eigener Erfahrung raten wir es trotzdem. Und besonders mit Blick auf unsere Kunden und unsere Interviewpartner in der Inspiration Lounge können wir sagen: jeder, der sich dazu entschließt, ist in absolut guter Gesellschaft.

Jetzt

19. Juli 2010 von chris

Zeit ist ein wichtiger Faktor. Prioritäten sind es auch. Wenn ich Kunden rate, ihre eigene Kommunikation aktiver anzugehen und mehr über ihr Know-how, ihre Themen und ihre Begeisterung dafür nach außen zu tragen, höre ich oft Sätze wie: »Das würde ich sehr gerne tun, nur habe ich dafür gerade leider überhaupt keine Zeit. Ich weiß, es ist notwendig, aber zuerst muss ich noch…organisieren, …erledigen oder …ändern.«

In den allermeisten Fällen, die ich kenne, ist die Frage, wann die eigene Kommunikation nach außen entscheidend aktiviert wird, schlichtweg die der eigenen Priorität. Nichts anderes.

Häufig fällt mir auf, wie viele sehr genau wissen, dass sie letztlich zu wenig tun, um gut von anderen wahrgenommen und mehr nachgefragt zu werden. Trotzdem heißt es meist »verschieben statt agieren«. Ganz offensichtlich sind die Hemmschwellen groß, sich in Bewegung zu setzen, um sich nach außen »greifbarer« zu machen, klare Position einzunehmen oder gar im eigenen Bereich eine »Hauptrolle« zu besetzen. So ist es oft das alte Lied mit der Außenkommunikation – der Selbstständige, der Unternehmer, der Kulturschaffende etc. weiß, dass er sie braucht – aber sie bedeutet Aufwand. Wie gut also, wenn man sich sagen kann, dass sie einerseits nützlich ist, andererseits aber erst begonnen werden kann, wenn noch so viele andere Dinge getan sind. Auch das dann auftretende Problem ist nicht wirklich neu: die herausragende Entwicklung, das noch so gute Produkt, das erstklassige Know-how – keiner fragt danach, solange er es nicht kennt.

Wenn mich jemand fragt, wann er am besten startet, mehr von sich, seinem Know-how und seiner Tätigkeit zu kommunizieren, sage ich daher: »jetzt.« Werde ich um Auskunft gebeten, welche Themen ich empfehle, antworte ich: »diejenigen, die Dich bezüglich Deiner Tätigkeit aktuell beschäftigen und vorantreiben. Die, von denen Du gerne erzählst, ohne dass es Dir je zuviel wird.«

Unter uns: Kommunikation mit dem nahen und weiten Umfeld wird nicht besser, wenn man zuvor erst ein neues Büro angemietet, ein nächstes Projekt geplant, beendet oder Ähnliches getan hat. Man kann sie jederzeit aktiv und sinnvoll starten – genau da, wo man gerade ist, denn sie funktioniert Schritt für Schritt. Sie kann damit beginnen, festzuhalten, welche Themen Dich begeistern und welche Aspekte Deines speziellen Wissens Du mehr mit anderen teilen könntest. Vorausgesetzt natürlich, Du willst wirklich loslegen, um besser zu kommunizieren und nicht noch länger nach Gründen suchen, um schließlich nichts zu ändern.

Spurwechsel

12. Juli 2010 von kerstin

Es gab Zeiten, da amüsierten wir uns morgens in der Schule über eine Fernsehsendung, die am Abend zuvor gelaufen war. So gut wie jeder konnte mitreden, was nicht zwingend an der Qualität des Programms lag, sondern einfach daran, dass es nur wenige Fernsehprogramme gab. Der Fernseher versammelte Massen zur selben Zeit vor gleichen Sendeformaten. Diese wurden und werden bis heute meist auf genau diesen Aspekt zugeschnitten.

Zeiten ändern sich. Computer und Internet haben den Stellenwert von Fernsehen deutlich beschnitten. Es gibt nicht mehr nur wenige Programme mit vorbestimmtem Sendeablauf. Was ich will, wo ich will, wann ich will, ist zur Devise geworden. Eine vorhandene Vielfalt hat längst auch die Nachfrage verändert. Möglichkeiten, Vorhandenes nach den eigenen Interessen zu filtern, sind gerade im Internet zahlreich und haben dazu geführt, dass sich Angebote immer weiter aufsplittern. Suchdienste helfen, noch die kleinste Nische aufzustöbern. Für die eigenen Angebote Interessenten zu finden, ist ebenfalls deutlich einfacher geworden. Daraus folgt: wenn es heute leichter ist, diese Menschen zu finden, wäre es nicht naheliegend, dass man sich aufmacht, um sie tatsächlich zu suchen und anzusprechen?

Interessant ist, dass viele Unternehmen heute immer noch denken, der beste Weg der Kommunikation liege darin, einfach möglichst viele Menschen zu erreichen. Sie konzipieren ihre »Kommunikationsformate«, damit sie, ähnlich wie viele Fernsehsendungen, Informationen an hoffentlich zahlreiche Massen ausgeben. Nun, das mag funktionieren, wenn man der Hoffnung ist, mit viel Aufwand schon irgendwie die Richtigen zu finden. Oder man hat bereits eine große Marke, verfügt über ein Marketingbudget auf »Fernsehniveau« und muss breite Präsenz zeigen, um im Kampf der Titanen auch morgen zu bestehen.

Für die meisten andere Unternehmen sind diese Größen nicht zu realisieren. Und trotzdem schauen viele, zumindest unbewusst, in die Richtung der »Riesen« und orientieren auch ihre eigene Kommunikation daran. D.h., sie versuchen, in all ihren Äußerungen, möglichst allen zu gefallen, sie bedienen sich einer Sprache, die Ecken- und Kantenlosigkeit ausstrahlt, sie wählen eine Optik, die gerade »in« ist. Weil sie nicht über die großen Marketing- und Kommunikationsetats verfügen, fühlen sie sich eingeschränkt. So machen sie am Ende lieber nichts Besonders, statt an besonderen Ideen zu arbeiten, die mit ihren Budgets möglich sind.

Dabei wäre der schlauere Schritt genau der, nicht den Weg zu gehen, den die Großen und alle Nacheiferer einschlagen. Gerade weil die Chancen heute besser als zuvor stehen, mit den eigenen Mitteln und Stärken selbstbewusst genau die eigenen Kunden und Fans zu finden.

»Sie wollen mir Mut machen, mehr auf meinem persönlichen Weg zu kommunizieren«, sagte mit kürzlich ein Kunde. Ja, es hat vielleicht auch mit Mut zu tun, aus dem breiten und vermeintlich sicheren Weg der allgemein bekannten, gefälligen (und oft genug langweiligen) Kommunikation auszuscheren, um Menschen auf dem persönlichen Weg anzusprechen.

Aus unserer Sicht ist es vor allem eine Frage von Perspektive und logischem Denken. Denn genauer betrachtet: Angenommen, wir würden Dir die Aufgabe stellen, binnen eines eingegrenzten Zeitraumes hinaus zu gehen, um Freunde zu finden, die Dir als solche möglichst lange erhalten bleiben. Menschen, mit denen Du gerne zu tun hast, von denen Du denkst, sie verstehen Dich und Du sie, Leute, die Dich schätzen. Würdest Du auf die Straße rennen und einfach jeden fragen, den Du siehst? Würdest Du nicht lieber genauer hinschauen, überlegen was Dir wichtig ist, was Ihr teilen solltet und darüber nachdenken, wo Du solche Menschen besser treffen könntest und wie Du sie ansprichst?

Wenn Du gerade »ja« gedacht hast, warum solltest Du Deine Vorgehensweise ändern, sobald es sich um Kunden handelt, die Du suchst? Du bist kein Fernsehen und kein Konzern – sei schlau und verlasse die MassMedia-Spur.

Nebenan

06. Juli 2010 von kerstin

Letzte Woche waren wir in Biel, um David Jeanmonod für unser Projekt Inspiration Lounge zu interviewen. David arbeitet sehr viel. Sein Laden »Camden Town«, mitten in der Innenstadt und unweit des Bieler Sees gelegen, ist immer gut besucht.

Trotzdem nimmt sich David jede Woche an einem Vormittag etwas Zeit, um in der Nachbarschaft seines Ladens bei anderen Unternehmern, Laden- oder Bistrobetreibern vorbeizuschauen. Er macht das ohne großartige Voranmeldung, ohne Termin – einfach, um die anderen zu sehen, mit ihnen zu reden, um zu hören, wie es geht und sich über alltägliche Dinge zu unterhalten.

Er hat mir erzählt, bei all der vielen Arbeit für seine Kunden, sei es doch ganz wichtig, auch mit der Nachbarschaft im Austausch zu sein. »Mehr Miteinander macht einfach mehr Laune. Du bist in Kontakt mit den alltäglichen und den besonderen Themen des Business und des Lebens, kommst auf neue Ideen. Und wenn Du an irgendeinem Tag mal nicht gut drauf bist, kommt ein Nachbar bei dir vorbei und bringt dich auf bessere Gedanken.«

Warum schreibe ich hier darüber? Wart Ihr schon einmal bei einer Business-Visitenkartenparty, wo Menschen hingehen, um Kontakte zu machen? Ich war dort und weiß daher, dass die Atmosphäre bei solchen Veranstaltungen total anders ist als die bei Davids Runde in der Nachbarschaft. Was macht den Unterschied? Davids Nachbarschaft eint das Interesse nicht nur am Business und an Kontakten, sondern an den Menschen, an ihren persönlichen Themen und Standpunkten. Und noch ein gravierender Unterschied: Business-Visitenkartenparties sind oft nicht so persönlich wie angekündigt, meist oberflächlich, höflich und harmlos bei gebremster Stimmung. Wem es nicht passt, der geht einfach.

Nachbarn dagegen bleiben. Man begegnet ihnen häufiger und unmittelbar. Die räumliche Nähe führt zu Themen, die man teilt. Trotzdem sind viele von uns dermaßen mit der eigenen Arbeit beschäftigt, dass sie das tägliche Umfeld leicht aus den Augen verlieren. Umso mehr gilt: »Trau dich. Lerne deine Nachbarn kennen und bring’ ihnen Interesse entgegen.« Der regelmäßige Austausch mit dem direkten Umfeld hält »frisch« und erschließt durchaus Möglichkeiten der Zusammenarbeit – gerade im Bereich Kontakte und Kommunikation nach außen.

Last but not least: der Austausch mit der täglichen Umgebung schärft den Blick für die eigene Position und die eigenen Stärken, die sich gerade in Relation zu den Positionen und Stärken der jeweils anderen besonders gut abzeichnen. Und wer sich dann noch nicht ganz sicher ist: Statt vor sich hin zu brüten, einfach mal direkt die Menschen »nebenan« fragen. Es ist erstaunlich, wie oft sie weiterhelfen können.

Original

27. Juni 2010 von kerstin

Ein wichtiges Element unserer Beratung ist es, Kunden zu bestärken, neben den Informationen über ihr Produkt oder ihre Leistung, mehr über ihre Blickwinkel, ihre Haltung und Erfahrungen mitzuteilen. Nicht selten fällt im ersten Gespräch über mögliche Themen der Satz: »Ich fürchte, ich bin da nicht originell genug.«

Ich weiß nicht, wie hoch die Messlatte allgemein gelegt wird, damit »man« originell ist. Natürlich kenne ich die Aussage, es werde immer schwieriger, originell zu sein, weil ja inzwischen alles schon mal da war. Ich weiß allerdings genau, dass originell unmittelbar mit dem Wortstamm original verknüpft ist – und original ist jeder von uns.

Das ist der Grund, warum wir unsere Kunden ermutigen, nicht auf die sogenannten Trends zu setzen, denen »man« gerne folgt. Denn aus unserer Sicht und erwiesenermaßen gilt nach wie vor der einst schon gute Tipp von Public Enemy: »Don’t believe the Hype.«

Trends sind morgen weg und selten originell. Wie auch, wenn spätestens nach ein paar Wochen alle gleich aussehen und das Gleiche machen.

Ich habe in den Jahren unserer Tätigkeit sehr oft erlebt, dass Personen vermeintlich kein Thema hatten, das interessant oder gar originell genug gewesen wäre. Genauso oft habe ich erlebt, dass dieselben Menschen entdeckten, genau dort Besonderes zu sagen zu haben, wo sie sie selbst sind. Wo sie über die Dinge sprechen, die sie dauerhaft beschäftigen und faszinieren. Dazwischen lag eine Änderung der Blickwinkel, die den Druck des Hypes genommen haben.

Es ist für uns jedes Mal großartig, wenn sich ein Kunde, der zunächst zögerlich über seine Themen nachgedacht hat, Schritt für Schritt immer mehr begeistert, Möglichkeiten zu sehen, die seiner Kommunikation tatsächlich Einzigartiges geben.

Ich verweise hier deshalb gerne auf ein Graffito, das mir vor fast zwanzig Jahren in’s Auge fiel:

You’re born an original. Don’t act like a clone.