Tag: Kultur

Echt statt authentisch (1)

05. September 2010 von kerstin

»Authentisch« ist momentan ein sehr beliebtes Wort und eine der meist gehörten Anforderungen im Bereich von Außendarstellung und Kommunikation.

So wie Fernsehshows möglichst »authentisches Leben« widerspiegeln sollen, so muss jeder Auftretende sein »authentisches Ich« präsentieren. Produkte haben »authentisch« zu sein, Unternehmen und Unternehmer natürlich sowieso. Künstler sollen Konsumgesellschafts- und Kommerzablehnung bitte »authentisch« transportieren.

Sicher war absehbar, dass irgendwann eine Ermüdung gegenüber den omnipräsenten Schöne Welt-Bildern der herkömmlichen Werbekataloge eintreten wird. Interessant ist nur, dass die heute bewusst als »authentisch« modellierten Welt- und Menschenbilder wohl kaum dem entsprechen, was man mit dem sicher viel schlichteren Wort echt bezeichnen würde.

Showkandidaten erzählen rührende Familiengeschichten, die zuvor von Experten »frisiert« wurden, bekannte Unternehmen präsentieren sich nachhaltig und freundschaftlich, um die eigenen Mitarbeiter in ein knallhartes Konzept zu zwängen, Kulturschaffende sind kommerzkritisch, um hinter den Kulissen peinlichst an ihrer Rolle und ihren geldwerten Vorteilen zu arbeiten. So verbogen das aussehen mag, es ist Bestandeil unserer Welt.

Schließlich verkaufen alle irgendetwas und jeder weiß: wer verkaufen will, muss sich, seine Produkte und Leistungen überzeugend kommunizieren. Wer sich also über stattfindende Kommunikation laut beschwert, sollten sich fragen, ob nicht auch er längst und an so mancher Stelle das Spiel mitmacht.

Ich finde, wenn man schon mit dabei ist, sollte man auch gut mitgestalten: Es gibt nämlich keine Pflicht, die gleichförmigen Schöne Welt-Bilder einerseits oder die absolut modellierte »Authentizität« andererseits mitzumachen, nur weil die anderen es tun. Der eigene, persönliche Weg ist sowieso immer der beste, weil er original ist statt Authentisches künstlich erzeugen zu müssen.

Wie aber den persönlichen Weg finden und entsprechend kommunizieren? Mehr dazu gibt es im nächsten Artikel.

Achtung, Kommunikation!

27. August 2010 von kerstin

Ich weiß nicht, wie oft ich schon den Satz gehört habe: »Um unsere Kommunikation nach außen kümmert sich unsere Marketingabteilung.« Auch »Für die Kommunikation ist bei uns Herr A. oder Frau B. zuständig,« ist mir inzwischen sehr bekannt. Offen gesagt, die Aussagen sind vielleicht noch zu verstehen, wenn sie sich auf die konkrete Produktion einer Broschüre oder einer Homepage beziehen.

Insgesamt gesehen gilt jedoch, was Paul Watzlawick schon vor Jahren so treffend gesagt hat: du kannst nicht nicht kommunizieren. Kommunikation beschränkt sich nicht auf eine Abteilung, nicht auf Broschüren oder eine Homepage. Sie findet permanent statt, beispielsweise durch

>     das Aussehen und die Funktion von Produkten eines Unternehmens.

>     die Art und Weise der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und Zulieferern.

>     die Weise, in der E-Mails oder telefonische Anfragen beantwortet werden.

>     die Art, in der Kunden persönlich empfangen werden.

>     die Einbindung in das kulturelle Umfeld etc., etc. etc.

Kommunikation ist so allgegenwärtig – selbst nichts zu sagen ist eine Aussage. Was lässt sich daraus schließen? Man könnte darauf kommen, dass Kommunikation eine unglaublich anstrengende, Nerven kostende Angelegenheit ist, der man hilflos gegenüber steht.

Oder besser: man sieht es positiv. Dann gibt das weite Feld der Kommunikation jedem unzählige Möglichkeiten, das, was er mitteilen und bekannt machen möchte, nach außen zu tragen. Jeder Einzelne, jedes Unternehmen hat viele Optionen, die eigene Kommunikation zu verbessern – von naheliegend und einfach bis aufwändig und exklusiv. Kreativität, stimmige Kombination und Flow erschöpfen sich dabei eben nicht in der Fertigung einer Broschüre oder eines Messestandes, sie sind wichtig für die Summe aller Teile, die für ein einzigartiges und überzeugendes Gesamtbild verantwortlich sind.

Am Ende ist es wie so oft: bleibt man hilflos oder nutzt seine Möglichkeiten? Alles eine Frage von Blickwinkel, Aktivität – und Verstand.

Lagerfeuer heute

18. August 2010 von kerstin

Letztes Wochenende waren wir in Weimar und haben in kurzer Zeit viele nette Leute getroffen. Manuel Odendahl von Ruin&Wesen, Susanne Junker, Initiatorin von stageBack, den Soundspezialisten Martin Hirsch, den Fotografen und Künstler Thomas Rusch sowie den Künstler und Kurator Konstantin Bayer, der vor vier Jahren die Galerie Eigenheim ins Leben gerufen hat.

Trotz knapper Zeit zeichneten wir zwei Inspiration Lounge Interviews auf. Und an gleich zwei Abenden saßen wir zusammen, haben uns ausgetauscht und dabei interessante Stunden verbracht. »Es ist wirklich spannend, wenn man so zusammentrifft«, stellte ich fest. Susanne antwortete:»Ja, stimmt. Es setzt aber auch voraus, dass jeder bereit ist, dafür etwas zu tun.« In ihrem Fall hieß das, aus Shanghai anreisend, ihre Europareise um einen stop-over in Weimar zu erweitern und jede Menge Neuigkeiten im Gepäck zu haben.

Mir wurde wieder einmal sehr bewusst, wie wichtig ein nettes, offenes Umfeld und regelmäßiger Austausch sind. »Kommuniktion ist eine der grundlegendsten Sachen, die wir haben«, äußerte dann auch Thomas Rusch und rannte natürlich offene Türen bei uns ein. Schließlich sind wir bereits seit neun Jahren le tapir, Gesellschaft für Kultur und Kommunikation.

Unser Tipp: Trefft Euch mit Freunden, Nachbarn und Bekannten, holt neue Leute mit dazu, initiiert, tauscht Wissen und Erfahrung – habt eine gute Zeit. Wir alle haben viel zu tun, wir alle haben jede Menge Arbeit und Projekte zu erledigen, wir alle sind auch mal erschöpft. Gerade darum ist Balance, sind Gemeinschaft und Austausch so wichtig – sie halten lebendig und den Kopf frisch.

Neue Ideen, neue Themen, vieles Hilfreiches kennen lernen, eigene Blickwinkel beitragen – was wären wir ohne Gesellschaft? Und wie weit kämen wir, wenn wir das vergäßen? Wir, die Nachfahren der Lagerfeuer- und Höhlenmenschen.

Längst vorbei die Zeiten, in denen man glaubte, Informationen, Technik und Markt allein seien die Lösung, jeder für sich käme glänzend zurecht. Wir stehen vor gewaltigen Fragen und Aufgaben. Direkter, persönlicher Austausch, Wissen und Erfahrung teilen, mehr Miteinander und Zusammenarbeit, jeder an seinem besonderen Platz – das ist längst noch nicht die Lösung, doch ein ungemein wichtiger Schritt in die Richtung, neue Ideen zu finden und ihnen auch Realisierungen folgen zu lassen. Es geht um weit mehr als einen Job, um mehr als ein Projekt. Es geht uns alle an.

Daher ein Hoch auf die heutigen Lagerfeuer und alle, die sich dort mit uns treffen.

Eine Idee ist eine Idee ist eine Idee

21. Juni 2010 von kerstin

Vorab eine Verbeugung an Gertrude Stein, deren Zitat ich hier abgewandelt verwende, weil kein anderer so gut auf den Punkt gebracht hat, was nicht nur für Rosen, sondern auch für Ideen gilt.

Man kann es drehen und wenden, sie kann begeistern oder verstören – eine Idee ist eine Idee und bleibt es auch, solange sich nicht jemand daran macht, sie in die Tat umzusetzen.

Es erstaunt mich daher, dass unsere Politiker immer wieder davon sprechen, dass Deutschland das »Land der Ideen« sei.

Natürlich ist es ein guter Anfang, wenn man Ideen hat. Ideen sind mit der Aura des besonderen Einfallsreichtums umgeben. Jeder hat sie gerne. Das ist wohl auch der Grund, warum es so unglaublich viele davon gibt und es täglich mehr werden.

Wenn also eine positive kulturelle Gegebenheit kommuniziert werden soll, wäre es dann nicht besser, wir wären auch das Land der realisierten Ideen, zumindest der realisierten, guten Ideen? Klar, der Satz klingt nicht so kurz und knackig wie der andere. Aber er steht doch mehr für das, worauf es eigentlich ankommt.

Andererseits, vielleicht wollen diejenigen, die diesen Satz immer wieder bemühen, signalisieren, dass Ideen schon genug sind. Vielleicht bemühen sie ihn auch, weil sie selbst davon überzeugt sind. Oder sie wiederholen eine Floskel, weil sie gängig ist und dem verbreiteten Gedanken »Kreativität = Ideen« entspricht.

Hoffen wir zu ihren Gunsten, sie haben einen besseren Grund.

Haltung

17. Juni 2010 von chris

Wer seine Projekte, Leistungen oder Produkte kommunizieren will, sollte sich fragen, warum sie für ihn selbst wichtig sind. Es ist recht einfach, zu sagen, was man macht. Spannend wir es beim »Warum?«.

Es ist hilfreich, die eigene Motivation und Überzeugung genau zu kennen und nicht nur eine Dienstleistung oder ein Produkt zu haben, um damit Geld zu verdienen. Gute Gründe stärken das Rückgrat, auch in der Kommunikation. Und: Klare Positionen fallen mehr auf.

Natürlich wird es Menschen geben, die du dadurch nicht gewinnst, weil sie deine Überzeugung und Gründe nicht nachvollziehen können. Das heißt aber auch, dass du besser die Menschen findest, die deine Haltung schätzen und sich genau davon angesprochen fühlen.

Für unser Projekte Inspiration Lounge haben wir uns entschieden, mit einfachem Equipment zu arbeiten. Es hat den Vorteil, schnell und unkompliziert einsetzbar zu sein. Wir mögen außerdem die unmittelbare Atmosphäre, die den Interviews das Persönliche gibt und mit größerem Filmset und Aufbau so nicht zu erhalten wäre. Natürlich erreichen wir damit nicht jeden. Doch viele Fans der Inspiration Lounge sehen die Videos gerne, weil sie, wie wir, persönliche Atmosphäre und Inhalte schätzen.

Noch ein Beispiel: seit einigen Tagen habe ich eine Flip Mino Kamera. Sie ist handlich und großartig für schnelle, unkomplizierte Filmaufnahmen unterwegs. Die Macher haben sich klar dafür entschieden, eine einfache Kamera für jedermann zu bauen, die schnell zu verstehen und übersichtlich zu bedienen ist. Die Flip Mino kommt daher ohne zahlreiche technische Optionen, und genauso wird sie auch kommuniziert. Zahlreichen Menschen wäre die Kamera zu banal, zu begrenzt – sie wollen mehr Features. Für mich und meine Zwecke ist sie ein Glücksfall und so ideal, wie für viele andere Fans auch.

Frischluft

16. Juni 2010 von kerstin

Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts: Michael Schirner, Werbefachmann und Texter, arbeitet an einem Auftrag für IBM. Das Unternehmen, das damals seinen Schwerpunkt im Bereich Büro- und Schreibmaschinen hatte, braucht eine neue Kampagne.

Michael Schirner recherchiert, setzt sich thematisch eingehend mit IBM auseinander, beginnt, Bild/Text-Kombinationen zu entwickeln und entdeckt auf einmal: In dem Wort SchreIBMaschine steckt tatsächlich der Firmenname. Die Idee der Kampagne ist damit klar. Wie sollte man besser die Verbindung zwischen Marke und Produkt vermitteln, wenn jeder schon allein mit dem Wort SchreIBMaschine die Marke immer vor Augen hat.

Stellt man sich den kompletten Entstehungsprozess der Kampagne vor, kann man ganz gut nachvollziehen, wie mitten in dem begonnenen, konzentrierten Arbeitsfluss, mitten in der Entwicklung von Ideen, die Entdeckung eintritt. Alles begann damit, dass einer sich an sein kreatives Schaffen macht. Schritt für Schritt mit einem Ziel, zu dem er schließlich auf einem Weg gelangt, der nicht zu planen war.

Nun zum Gegenteil, dem Biegen und Brechen.

In letzter Zeit sehe ich verstärkt Versuche, Michael Schirners Entdeckung auf anderen Wegen herzustellen. Auf Plakaten finden sich aktuelle Beispiele wie »VoRWEg gehen« oder »Ich reservieHRS« (ja, genau so).

Warum sage ich Biegen und Brechen? Weil man einfach merkt, dass der Arbeitsprozess des Texters ein ganz anderer war. Es gibt gar keine Verbindung zwischen Produkt und Marke im Wort selbst, wie bei SchreIBMaschine. Es wurden sichtbar Wörter ausgesucht, falsch geschrieben oder mühsam in Verbindung gebracht, um denselben Effekt zu erzielen – was nicht funktioniert. Jeder spürt die verkrampfte Bemühung um die richtigen Worte, um eine Verbindung, die erst »hergetextet« werden musste. Das ist kein kreativer Fluss, das sind schlechte Lookalikes, die ein schales Gefühl hinterlassen.

Kreativer Flow und Offenheit, die Ideen und Entdeckungen eintreten lassen, auch wenn sie links und rechts des Weges kommen, sind durch Biegen und Brechen nicht zu ersetzen. Wer merkt, dass er anfängt, sich Dinge angestrengt auszudenken, sich das Hirn zu martern, um gute Einfälle herauszuholen, macht besser mal Pause und sorgt für frische Luft. Ich gehe in solchen Momenten gerne mal kurz mit dem Hund raus.

Hallo Welt!

03. Juni 2010 von chris

Viele Projekte haben wir in den letzten Jahren realisiert – Homepages, Magazine, Filme, Bücher, Ausstellungen, Interviewdokumentationen etc.

Wir haben für zahlreiche Kunden entwickelt und Projekte auch selbst initiiert. Unsere Geschichte und Leidenschaft sind schnell erzählt: immer, wenn wir entwerfen und umsetzen, entstehen Projekte, die Menschen aus unterschiedlichen Bereichen mit ihren persönlichen, ihren kulturellen Blickwinkeln und ihrem Know-how kommunizieren;  die sie mit anderen interessanten Menschen in Verbindung bringen.

In diesem Blog schreiben wir über das, was wir durch unsere Tätigkeit im Bereich Kultur und Kommunikation wissen, erfahren haben und womit wir uns besonders beschäftigen. Wir werden nicht über Dinge schreiben, die sich zu detailreich mit dem »Wie?« von Kommunikation im Einzelfall beschäftigen.

Uns geht es vielmehr um das »Warum?« bestimmter Sicht- und Vorgehensweisen in der Kommunikation, um Basisfragen, die sich vor dem »Wie?« im konkreten Einzelfall stellen. Es geht natürlich auch darum, dass Kommunikation und Kultur nicht von uns als Individuen und von uns als Gemeinschaft zu trennen sind. Menschen kommunizieren, um sich auszudrücken und anderen mitzuteilen, wie sie die Welt sehen und was sie machen.
Kommunikation – das sind auch Anregungen, die entstehen, wenn Menschen sich austauschen und an den Sichtweisen und Erfahrungen anderer teilhaben. Kommunikation ist ein Bedürfnis. Für diejenigen, die mit Entwicklungen und Know-how, ihren Leistungen oder Produkten ihr Geld verdienen, ist sie absolut notwendig.

Dieser Blog ist für alle, die besser kommunizieren wollen, um damit größere Kreise interessierter Menschen zu erreichen. Für alle, die ihre eigene Kommunikation durch mehr Persönlichkeit voranbringen wollen, damit sie und ihre Arbeit, ihre Vorgehensweisen und Erzeugnisse besser wahrgenommen und mehr geschätzt werden.

Wenn wir das hier gut machen, dann wird dieser Blog denjenigen Anregung geben, die bereits nach besseren Kommunikationsmöglichkeiten für sich und ihr Schaffen suchen. Er wird ihnen dabei helfen, ihre Kommunikation persönlicher zu machen, sie bewusst, aktiv und ideenreich anzugehen – unabhängig davon, ob sie in Wirtschaft, Kultur oder Wissenschaft tätig sind. Es wird uns auch gelingen, so manchen Zweifler davon zu überzeugen, dass Kommunikation, die Know-how, Blick-winkel und Erfahrungen als Impulse (mit)teilt, ganz einfach mehr Erfolg und mehr Spaß bringt.

Also, auf geht’s…